Ohne regionale Banken droht Mittelstand Kreditklemme: Volksbanken und Raiffeisenbanken in S-H sehen sich durch neue EZB-Studie bestätigt

Großbanken nutzen Marktmacht – kleine Häuser sind Garanten regionaler Wirtschaftskreisläufe

Die Präsenz kleiner Banken führt zu geringeren Kreditkosten für den Mittelstand. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie der Europäischen Zentralbank. Kai Schuubert, Vorstand der Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG, sieht die Position der Finanzgruppe bestätigt: „Die europaweite Studie zeigt: Großbanken in stark konzentrierten Bankenmärkten neigen dazu, ihre Marktmacht auszunutzen. Dagegen hilft mehr Wettbewerb“, erklärt Schubert. „Die EU sollte daher bei der Ausgestaltung der regulatorischen Anforderungen stärker zwischen national oder international agierenden Großbanken und regionalen Kreditgenossenschaften mit relativ risikoarmem Geschäft differenzieren.“ Die hohen Kosten gefährdeten eine flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen.

Insbesondere in schwachen Konjunkturphasen sind Mittelstandskredite bei kleinen Kreditinstituten in Europa deutlich günstiger als bei großen, marktbeherrschenden Banken. Das zeigt die EZB-Untersuchung. „Die Studie bestätigt, was wir seit langem betonen: Die am deutschen Markt typischen kleinen Banken sind für den Mittelstand unverzichtbar", bekräftigt Schubert.

Der EZB zufolge nimmt die Bankenkonzentration in vielen europäischen Ländern zu. So haben in Spanien die fünf größten Banken bereits einen Marktanteil von 62 Prozent gegenüber 34 Prozent in 1998. In Deutschland dagegen kommen die Top 5 auf lediglich 31 Prozent des Marktes (siehe Grafik). „Denn regionale Banken bilden mit ihrem Geschäftsmodell ein Gegengewicht zu den Finanzkonzernen“, betont Kai Schubert. „Das Einkommen, das im Geschäftsgebiet der einzelnen Banken geschöpft wird und ihnen als Einlagen zufließt, kommt in Form von Kreditmitteln dem regionalen Wirtschaftskreislauf wieder zu Gute und wird denjenigen zur Verfügung gestellt, die Arbeitsplätze und damit Einkommen schaffen.“ So sei die Kreditvergabe in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr um fast 5 % zum Vorjahr deutlich ausgeweitet worden.  „Die EU muss bei der Regulierung viel stärker als bisher zwischen großen und kleinen Banken unterscheiden“, fordert Schubert.

Abschließend blickt er optimistisch in die Zukunft: „Die Stimmung in der Region ist positiv. Die Auftragsbücher der Betriebe sind prall gefüllt und wir erwarten stabile Beschäftigungsverhältnisse. Vor allem im Tourismus hält die positive Entwicklung weiter an. Im Bereich des Wohnungsbaus ist aufgrund der niedrigen Zinsen auch weiterhin eine hohe Investitionsbereitschaft zu erwarten.“

Aktuelle EZB-Studie bestätigt Geschäftsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken
Quelle: Arbeitspapier der EZB mit dem Titel "Sources of the small firm financing premium: evidence from euro area banks"